Eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3 oder mehr gilt im Altbau als Mindestziel, so die Verbraucherzentrale. Gemessene Luft/Wasser-Anlagen kommen im Mittel auf 3,4, Erdreichanlagen auf 4,3. Gut ist deine Zahl, wenn sie für deinen Anlagentyp im oberen Teil dieser Streubreite liegt und du weißt, was in sie hineingerechnet wurde.
Was die JAZ misst
Die JAZ teilt die Wärme, die deine Anlage in einem Jahr für Heizung und Warmwasser abgibt, durch den Strom, den sie dafür aufnimmt. Bei 12.000 kWh Wärme und 4.000 kWh Strom liegt sie bei 3,0. Aus jeder Kilowattstunde Strom werden dann drei Kilowattstunden Wärme, zwei davon stammen aus der Umwelt.
Für die Rechnung brauchst du zwei Zähler: einen Wärmemengenzähler und einen eigenen Stromzähler für die Wärmepumpe. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat 2019 Wärmepumpenbesitzer befragt. Weniger als ein Viertel hatte einen Wärmemengenzähler und las ihn mindestens einmal im Jahr ab. Nur 31 Prozent wussten, was die JAZ ist, und unter zehn Prozent kontrollierten sie regelmäßig (Quelle: Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, 2019).
Welche Werte Feldmessungen zeigen
Die aktuellsten Zahlen liefert das Fraunhofer ISE. Das Institut hat vier Jahre lang 77 Anlagen in Ein- bis Dreifamilienhäusern gemessen und im November 2025 veröffentlicht (Fraunhofer ISE, 2025):
| Bauart | Mittelwert | Spanne | Vorgängerstudie (Mittel) |
|---|---|---|---|
| Luft/Wasser | 3,4 | 2,6 bis 4,9 | 3,1 |
| Erdreich (Sole) | 4,3 | 3,6 bis 5,4 | 4,1 |
Die Vorgängerstudie „WPsmart im Bestand“ lief bis 2019. Die Anlagen sind also in wenigen Jahren effizienter geworden. Für Luft/Wasser-Anlagen aus dieser Studie nennt das Institut eine Spanne von 2,5 bis 3,8 bei 29 Anlagen (Fraunhofer ISE, 2020).
Zwei Punkte aus der Studie von 2025 ändern, wie du die Tabelle liest:
- Einen Zusammenhang zwischen Baujahr des Gebäudes und Effizienz fanden die Forschenden nicht. Ein älteres Haus schließt eine gute JAZ also nicht aus.
- Die Spannen sind breit. Zwischen der schwächsten und der besten Luft/Wasser-Anlage liegen 2,3 Punkte. Das Institut spricht selbst von Optimierungspotenzial.
Und im Neubau?
Hier fehlen aktuelle Feldstudien mit eigener Auswertung. Die letzte belastbare Zahl stammt aus dem Fraunhofer-Projekt „WP Monitor“ mit 87 Anlagen, ausgewertet für Juli 2012 bis Juni 2013: Luft 3,1 (2,3 bis 4,3), Erdreich 4,0 (3,0 bis 5,4). Die neueren Anlagen der Studie lagen bei 3,2 und 4,3 (Fraunhofer ISE, WP Monitor). Die Werte sind über zehn Jahre alt. Sie zeigen, dass auch im Neubau die Spanne groß ist, und taugen als Orientierung, nicht als Maßstab.
JAZ, COP und SCOP
Die drei Begriffe beschreiben unterschiedliche Dinge.
- COP ist eine Leistungszahl für einen einzigen Betriebspunkt, gemessen im Prüflabor nach DIN EN 14511. „A7/W35“ bedeutet: 7 °C Außenluft, 35 °C Vorlauf. Du findest den Wert im Datenblatt.
- SCOP gewichtet COP-Werte bei mehreren Außentemperaturen (laut Bosch 12, 7, 2 und −7 °C) und nähert sich damit einem Jahreswert an. Er ist ein Laborwert und eignet sich, um Geräte untereinander zu vergleichen.
- JAZ gilt für dein Haus mit deinen Heizkörpern, deinem Nutzerverhalten und deinem Warmwasserbedarf. Sie lässt sich erst ein Jahr nach Inbetriebnahme bestimmen (Bosch Home Comfort).
Ein Gerät mit hohem COP kann in einem Haus mit hohen Vorlauftemperaturen eine schwächere JAZ liefern als ein Gerät mit niedrigerem COP in einem gut abgestimmten System. Der Datenblattwert sagt dir, was das Gerät unter Idealbedingungen leistet. Wie gut dein System arbeitet, zeigt nur die Messung.
Die Bilanzgrenze entscheidet mit
Zwei JAZ sind nur vergleichbar, wenn sie dieselbe Grenze ziehen. Die Richtlinie VDI 4650 unterscheidet dafür eigene Bilanzgrenzen für die Wärmepumpe und für die Gesamtanlage. In der Praxis begegnen dir zwei Varianten:
- Wärmepumpe allein: Strom für Verdichter und Quellenantrieb (Ventilator oder Solepumpe), ohne Heizstab.
- Gesamte Wärmepumpenheizung: wie oben, zusätzlich mit Heizstab und weiterer Hilfsenergie.
Der Unterschied wird relevant, wenn der Heizstab läuft. Zählst du seine Wärme mit und seinen Strom nicht, wirkt die Wärmepumpe besser, als sie ist. In den Fraunhofer-Messungen von 2025 deckte der Heizstab bei Luft/Wasser-Anlagen im Schnitt nur 1,3 Prozent der elektrischen Arbeit. In einem kalten Winter oder bei einer Fehleinstellung kann der Anteil höher ausfallen.
Auch das Warmwasser verschiebt die Zahl. Der Speicher braucht höhere Temperaturen als die Heizung, deshalb liegt die JAZ einer Anlage mit Warmwasser meist unter der einer reinen Heizanlage. Eine Zahl für „nur Heizen“ und eine für „Heizen plus Warmwasser“ sind zwei verschiedene Größen.
Warum die Herstellerapp eine andere Zahl zeigt
Dass die App und deine eigene Rechnung auseinanderliegen, hat meist einen dieser Gründe:
- Die App nutzt eine andere Bilanzgrenze, etwa ohne Heizstab oder ohne Umwälzpumpen.
- Sie schätzt Wärme oder Strom aus Betriebsdaten, statt sie zu messen.
- Sie zeigt eine Momentaufnahme oder einen Monatswert, du rechnest über zwölf Monate.
- Die Zeiträume stimmen nicht überein, etwa weil Zählerstände an unterschiedlichen Tagen abgelesen wurden.
Welche Grenze deine App verwendet, steht in der Herstellerdokumentation. Findest du dort nichts, frag beim Hersteller nach, bevor du die Zahl mit Fraunhofer-Werten vergleichst. Verlässliche Angaben je Hersteller liegen für diesen Artikel nicht vor.
So ermittelst du deine JAZ ehrlich
- Zähler prüfen. Du brauchst einen Wärmemengenzähler hinter der Wärmepumpe und einen Stromzähler, der den gesamten Strom der Anlage erfasst, auch den des Heizstabs.
- Zwei Stichtage wählen. Lies beide Zähler zum selben Datum ab und wiederhole das genau ein Jahr später. Notiere die Werte mit Uhrzeit.
- Teilen. Wärme-Differenz geteilt durch Strom-Differenz ergibt deine JAZ. Schreib dazu, ob Warmwasser und Heizstab enthalten sind.
- Zwischenwerte einordnen. Ein Monatswert im Sommer, wenn fast nur Warmwasser läuft, ist keine JAZ. Eine Zahl nach drei Wochen auch nicht. Rolle lieber über die letzten 365 Tage.
- Plausibilität prüfen. Liegt das Ergebnis unter 2 oder über 6, prüfe die Messung noch einmal. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz stufte bei ihrer Befragung Werte unter 1 und über 6 als nicht plausibel ein.
Wie viel eine bessere Zahl bringt, rechnest du leicht aus: Steigt die JAZ von 2 auf 3, braucht die Anlage für dieselbe Wärme ein Drittel weniger Strom. Der Schritt von 4 auf 5 spart nur noch ein Fünftel. Deshalb lohnt sich Optimierung bei niedrigen Werten am meisten.
Wenn deine Zahl unter dem Band liegt
Liegt deine JAZ klar unter dem Mittel deines Typs, such zuerst bei Vorlauftemperatur, Heizkurve, Warmwasserbetrieb und Taktverhalten. Das sind die Stellen, an denen sich mit Einstellungen am meisten gewinnen lässt. HeatMate zeigt dir den Verlauf deiner Anlage und gibt Prüfpunkte zu diesen Themen vor, sodass du die Ursache eingrenzen kannst, ohne jede Einstellung allein zu raten.
Prüfe es an deiner Anlage
HeatMate zeigt dir die Werte aus diesem Artikel für deine Wärmepumpe.
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