Heizkurve

Heizkurve einstellen: So senkst du die Vorlauftemperatur

Vorlauftemperatur in kleinen Schritten senken: Ersparnis je Kelvin, Vorgehen mit offenen Thermostaten und was im Altbau mit Heizkörpern geht.

Weißer Gussheizkörper im Altbau vor einem Holzfenster und gefliester Wand
Foto: Julian Hochgesang auf Unsplash

Senke die Vorlauftemperatur in kleinen Schritten von 1 bis 2 K, öffne dabei alle Heizkörperthermostate und warte nach jeder Änderung mindestens einen Tag. Sobald ein Raum seine Wunschtemperatur nicht mehr erreicht, gehst du einen Schritt zurück. Jedes Kelvin weniger spart je nach Quelle grob 1,5 bis 3 % Strom, im Altbau mit Heizkörpern ist die mittlere Temperatur der wichtigste Hebel für die Jahresarbeitszahl.

Was die Heizkurve festlegt

Die Heizkurve ist die Regel, nach der deine Wärmepumpe ihre Vorlauftemperatur wählt. Bei Frost schickt sie wärmeres Wasser in die Heizkörper als bei 10 °C draußen. Du stellst zwei Werte ein: die Neigung (wie stark der Vorlauf mit sinkender Außentemperatur steigt) und das Niveau (eine Parallelverschiebung der ganzen Kurve).

Eine überhöhte Kurve meldet sich nicht. Die Räume bleiben warm, den Mehrverbrauch siehst du allenfalls am Zähler. Genau deshalb bleibt sie oft jahrelang auf dem Werkswert stehen. Die Werkseinstellung ist eine Sicherheitsreserve des Herstellers, die zu deinem Haus passen kann, aber nicht muss.

Wie viel jedes Kelvin bringt

Die Wärmepumpe muss Wärme von einem niedrigen auf ein höheres Temperaturniveau heben. Je kleiner der Abstand, desto weniger Strom braucht sie dafür. Die genannten Prozentwerte unterscheiden sich allerdings:

Quelle Ersparnis je Kelvin Vorlauf
Energie-Fachberater (nach VdZ) ca. 1,5 bis 2 %
42watt ca. 2 bis 3 %
WOLF (Luft/Wasser) ca. 2 bis 2,5 %
Verbraucherzentrale RLP 2 bis 3 %

Die Spanne ist plausibel, weil sie vom Haus, vom Gerät und von der Außentemperatur abhängt. Rechne deshalb mit einer Größenordnung und nicht mit einem Versprechen. Hochgerechnet ergeben 4 K weniger Vorlauf grob 6 bis 12 % weniger Strom, wenn die Räume warm bleiben. Das ist eine eigene Überschlagsrechnung aus den Werten der Tabelle, keine Messung. Das Fraunhofer ISE hat im Feldtest „WPsmart im Bestand“ in 56 Bestandsgebäuden gesehen, dass die Effizienz maßgeblich von der benötigten Heizkreistemperatur abhängt (Quelle: Fraunhofer ISE, 2020).

Beim Raumtemperaturwunsch läuft die Rechnung in die Gegenrichtung. Ein Kelvin wärmer im Wohnzimmer kostet nach VdZ rund 10 % mehr Strom, weil auch der Vorlauf mitsteigen muss. Das Umweltbundesamt nennt allgemein für jedes Grad Raumtemperatur rund 6 % der Heizkosten. Beide Werte liegen deutlich über dem Effekt einer Kurvenabsenkung um ein Kelvin.

Vorbereitung: Thermostate auf, Notizen an

Die Kurve soll das Haus allein versorgen, ohne dass geschlossene Ventile das Bild verfälschen. Viessmann empfiehlt, vor dem Einstellen sämtliche Thermostate auf die höchste Stufe zu drehen. Die gewünschte Temperatur je Raum stellst du erst danach wieder an den Thermostaten ein.

Das brauchst du:

  • ein Thermometer pro Hauptraum, oder die Raumwerte deiner Regelung
  • ein Notizblatt mit Datum, Außentemperatur, Neigung, Niveau und gefühlter Raumtemperatur
  • einen Zeitraum mit Außentemperaturen unter 5 °C, denn dann läuft die Anlage nahe an ihrer Auslegung

Ist dein Heizsystem noch nie hydraulisch abgeglichen worden, lass das zuerst prüfen. Die Kurve wirkt erst dann gleichmäßig, wenn das Wasser gerecht auf alle Heizkörper verteilt wird.

Schritt für Schritt absenken

  1. Ausgangswert notieren. Schreibe Neigung und Niveau auf, bevor du etwas änderst. So kommst du jederzeit zurück.
  2. Einen Schritt tiefer. Senke das Niveau um 1 K oder, bei deutlich überhöhter Kurve, um 2 K. 42watt nennt Schritte von 2 bis 5 K, für den Start deines ersten Versuchs ist ein kleinerer Schritt sicherer.
  3. Warten. Mindestens 12 bis 24 Stunden bei Heizkörpern. Bei Fußbodenheizung brauchst du mindestens einen Tag, oft mehrere, weil der Estrich träge reagiert (Quelle: Viessmann).
  4. Räume prüfen. Erreichen Wohn- und Schlafzimmer die Wunschtemperatur? Dann weiter mit Schritt 2.
  5. Grenze erkennen. Wird ein Raum nicht mehr warm genug, hebst du die Kurve um 1 bis 2 K wieder an. Dieser Wert ist dein Arbeitspunkt.

Die Neigung stellst du an kalten Tagen ein, das Niveau in der Übergangszeit bei 5 bis 15 °C. Ist es in der Übergangszeit zu warm, an kalten Tagen aber passend, senkst du laut Viessmann das Niveau und stellst die Neigung etwas steiler. So bleibt der Vorlauf bei Frost gleich, während er an milden Tagen sinkt. Ändere pro Durchgang nur einen Wert, sonst weißt du nach drei Tagen nicht mehr, was gewirkt hat.

Der Energie-Fachberater empfiehlt außerdem, die Kurve am Auslegungspunkt von Anfang an 3 K (Flächenheizung) bis 5 K (Heizkörper) unter den Planungswert zu legen und bei Bedarf nach oben nachzustellen. Der Fachbetrieb sollte das mit dir abstimmen, weil es in der Einstellphase kurz kühl werden kann.

Mittlerer statt maximaler Vorlauf

Die kälteste Woche des Jahres ist für die Stromrechnung zweitrangig. An den meisten Heiztagen ist es deutlich milder, und dort läuft deine Anlage mit dem Vorlauf, den die Kurve vorgibt. Jedes Kelvin, das du über die ganze Heizperiode einsparst, summiert sich. Der Durchschnitt über alle Heiztage ist die Zahl, die zählt.

Deshalb lohnt der Blick auf den Verlauf über Wochen. Schickt deine Anlage schon bei milden Temperaturen draußen einen Vorlauf nahe dem Wert der kältesten Tage, hat die Kurve Luft nach unten.

Altbau mit Heizkörpern

Ob es klappt, hängt am Zusammenspiel von Heizkörpern und Vorlauftemperatur. Das Baujahr sagt wenig darüber. 42watt berichtet, dass auch unsanierte Altbauten gute Werte erreichen, wenn Heizfläche und Temperatur stimmen.

Typische Größenordnungen:

  • Im Fraunhofer-Feldtest „WP im Bestand“ lagen die Vorlauftemperaturen im Winter meist zwischen 50 und 65 °C. Die Anlagen stammten aus den Jahren 2008 und 2009, die Geräte sind seither besser geworden (Quelle: Fraunhofer ISE).
  • Der Energie-Fachberater nennt für Bestandsgebäude mit Standardheizkörpern 55 °C als Zielgrenze für den maximalen Vorlauf.
  • Im jüngeren Feldtest mit 29 Luft-Wärmepumpen erreichten die Jahresarbeitszahlen 2,5 bis 3,8, im Mittel 3,1 (Quelle: Fraunhofer ISE, 2020).

Bleibt ein einzelner Raum bei niedrigerem Vorlauf kalt, ist oft ein zu kleiner Heizkörper, ein fehlender Abgleich oder eine schlecht gedämmte Wand die Ursache. Laut Verbraucherzentrale kann es dann reichen, einzelne zu kleine Heizkörper gegen größere zu tauschen.

Nach einer Dämmung oder einem neuen Fenster lohnt sich ein neuer Durchgang, weil der Wärmebedarf sinkt und die Kurve tiefer liegen kann.

Nachtabsenkung kritisch prüfen

Viele senken die Temperatur nachts ab, weil es bei Gas funktioniert hat. Bei Wärmepumpen bringt eine starke Absenkung laut Verbraucherzentrale wenig: Das Wiederaufheizen dauert länger, und meist leidet die Effizienz. Auch Vaillant sieht hier kein Sparpotenzial, weil die Wärmepumpe im ruhigen Dauerbetrieb am sparsamsten läuft. Der Energie-Fachberater hält den Verzicht vor allem bei trägen Flächenheizungen und gut gedämmten Häusern für sinnvoll. Prüf es an deinen Messwerten: Steigt der Stromverbrauch am Morgen deutlich, spricht das gegen die Absenkung. Springt dabei der Heizstab an, wird es besonders teuer.

Woran du den Erfolg erkennst

Schau nach einer Woche auf drei Dinge: Raumtemperaturen, Stromverbrauch pro Tag bei vergleichbarem Wetter und die tatsächlich gelieferte Vorlauftemperatur. Fällt der Verbrauch bei gleicher Behaglichkeit, hast du richtig gestellt. HeatMate legt Vorlauf und Außentemperatur übereinander und zeigt dir, wo deine Kurve im Vergleich zu früher liegt.

Was du jetzt tun kannst

Notiere deinen aktuellen Stand, öffne alle Thermostate und mache den ersten Schritt von 1 K. Schon ein Durchgang zeigt, ob dein Haus Reserve hat. Mit HeatMate siehst du die Wirkung deiner Änderung im Verlauf, ohne selbst Zahlen mitzuschreiben.

Prüfe es an deiner Anlage

HeatMate zeigt dir die Werte aus diesem Artikel für deine Wärmepumpe.

Heizkurve in HeatMate prüfen