Betrieb

Heizstab der Wärmepumpe: Wann er läuft und was er kostet

Der Heizstab springt unter dem Bivalenzpunkt, beim Estrich und zur Legionellenschaltung an. So erkennst du, ob er zu oft läuft und was du prüfen lässt.

Schwarzweiß-Nahaufnahme eines runden Lüftergitters mit konzentrischen Ringen
Foto: Mike Hindle auf Unsplash

Der Heizstab darf laufen, wenn es sehr kalt wird, beim Aufheizen eines frischen Estrichs und in der wöchentlichen Legionellenschaltung. Er kostet pro Kilowattstunde Wärme etwa das Drei- bis Vierfache der Wärmepumpe. Läuft er bei mildem Wetter oder täglich, stimmt an der Einstellung etwas nicht. In gut eingestellten Anlagen spielt er kaum eine Rolle. Springt er wegen einer Fehleinstellung zu oft an, fällt das meist erst bei der Jahresabrechnung auf.

Was der Heizstab ist und warum er eingebaut wird

Der Heizstab ist ein elektrischer Tauchsieder im Heizungs- oder Speicherwasser. Aus 1 kWh Strom macht er 1 kWh Wärme, mehr nicht. Eine Wärmepumpe holt aus derselben Kilowattstunde je nach Jahr und Anlage das Dreifache oder mehr heraus.

Hersteller bauen ihn ein, damit die Wärmepumpe kleiner ausfallen kann. Das Fraunhofer ISE beschreibt es so: Wird der Stab bei tiefen Außentemperaturen zugeschaltet, rückt die Wärmepumpenleistung näher an die Heizlast der übrigen Heizzeit heran. Das hilft gegen häufiges Ein- und Ausschalten des Verdichters, vor allem bei Geräten ohne Leistungsregelung (Quelle: Fraunhofer ISE, Abschlussbericht „WPsmart im Bestand“, 2020). Der Stab ist also ein Teil des Konzepts. Das Problem beginnt, wenn er öfter läuft, als das Konzept vorsieht.

Wann er laufen darf

Unter dem Bivalenzpunkt

Der Bivalenzpunkt ist die Außentemperatur, bei der die Wärmepumpe den Wärmebedarf des Hauses gerade noch allein deckt. Darunter hilft der Stab mit. Für monoenergetische Anlagen mit Heizstab nennt enter.de meist −5 bis −8 °C als günstigen Bereich, je nach Gebäude und Auslegung (enter.de). Ein Heizstab, der schon bei Temperaturen über 0 °C anspringt, deutet auf einen zu hoch eingestellten Wert oder eine zu kleine Wärmepumpe hin.

Auch dann ist sein Anteil klein. Im Feldtest des Fraunhofer ISE trugen 24 von 29 Luft-Wärmepumpen einen Heizstab. Bezogen auf die Verdichterarbeit lag seine Arbeit im Mittel bei 1,9 %. Nur elf dieser 24 Anlagen setzten ihn überhaupt ein. Auffällig oft traf es Geräte ohne Inverter-Verdichter. Die Nachfolgestudie mit 77 Anlagen bestätigt die Größenordnung: Bei Luft/Wasser-Anlagen entfielen im Mittel 1,3 Prozent der elektrischen Arbeit auf den Heizstab, bei Erdreichanlagen nahe null (Quelle: Fraunhofer ISE, 2025).

Beim Aufheizen des Estrichs

In Neubauten wird der Estrich beheizt, bevor der Bodenbelag kommt. Das Funktionsheizen darf bei Zementestrich frühestens nach 21 Tagen beginnen, bei Calciumsulfatestrich nach 7 Tagen (Quelle: SBZ Monteur 08/2018 zur BVF-Schnittstellenkoordination). Danach folgt das Belegreifheizen. Nach dem Protokoll des KAN-therm steigt die Soll-Vorlauftemperatur in Stufen von 25 über 35 und 45 auf 55 °C oder bis zur maximalen Auslegungs-Vorlauftemperatur. Nachtabsenkung und Außentemperaturregelung sind dabei außer Betrieb. Bei Estrichen bis 70 mm sind mindestens 14 Tage einzuplanen, bei dickeren Schichten mehr.

Ob dabei der Heizstab hilft, legt der Installateur fest. Eine allgemeine Regel dafür nennt keine der geprüften Quellen. Frag nach, ob der Stab in dieser Phase freigegeben ist und wann er wieder in den Normalbetrieb zurückgestellt wird. Ein Estrichprogramm, das nach dem Einzug weiterläuft, kostet wochenlang Strom.

In der Legionellenschaltung

Legionellen vermehren sich zwischen etwa 25 und 45 °C am besten, ab 55 °C hört das Wachstum auf, über 60 °C sterben sie ab (Quelle: Stiftung Warentest). Die Wärmepumpe selbst erreicht 60 °C im Speicher oft nur mit Mühe. Deshalb heizt die Legionellenschaltung den Speicher meist einmal pro Woche mit dem Stab auf 60 bis 65 °C auf.

Im Feldtest war das ein großer Posten. Bei einer Anlage gingen 99 % der Heizstabarbeit auf die wöchentliche Legionellenschaltung zurück, bei einer zweiten 91 %. Die Jahresarbeitszahl sank dadurch um 0,15 beziehungsweise 0,08 (Quelle: Fraunhofer ISE, 2020).

Die Schaltung abzustellen ist trotzdem keine gute Idee. Laut Verbraucherzentrale NRW hält das Umweltbundesamt sie für keinen dauerhaft sicheren Schutz, weil sie das Wachstum nur kurz hemmt. Die Verbraucherzentralen empfehlen deshalb, den Speicher dauerhaft auf 60 °C zu halten. Das kostet Effizienz, gilt aber als sicherste Lösung. Welche Temperatur für dein Haus passt, klärst du mit dem Installateur, nicht per Selbstversuch.

Was er kostet

Rechne mit dem Faktor aus der Jahresarbeitszahl. Bei einer JAZ von 3,4 braucht die Wärmepumpe etwa 0,29 kWh Strom für 1 kWh Wärme, der Heizstab 1 kWh. Der Stab verbraucht also rund das 3,4-Fache (42watt). Bei 30 ct/kWh Strom, einem Beispielpreis ohne Gewähr, sind das 30 ct gegen knapp 9 ct je Kilowattstunde Wärme.

Für den Jahreseffekt zählt der Anteil. Ein Beispiel (eigene Rechnung): Bei einer JAZ von 3,4 und 2 % der Wärme aus dem Stab steigt der Stromverbrauch um knapp 5 %. Allgemein gilt rechnerisch: Jedes Prozent Stab-Anteil an der Heizwärme bringt etwa (JAZ − 1) Prozent mehr Strom.

Die Legionellenschaltung lässt sich gut abschätzen. Für einen 300-Liter-Speicher, der von 50 auf 60 °C angehoben wird, rechnet 42watt mit rund 3,5 kWh pro Durchgang und 181 kWh im Jahr. Bei 30 ct/kWh sind das rund 54 € (eigene Umrechnung). Läuft die Schaltung täglich statt wöchentlich, verbraucht sie rechnerisch das Siebenfache.

So merkst du, dass er zu oft läuft

Die meisten Anlagen haben keinen eigenen Zähler für den Stab. Du erkennst ihn an Mustern:

  • Strom springt bei leichtem Frost. Der Verbrauch steigt deutlich, obwohl die Außentemperatur noch über dem Bivalenzpunkt liegt.
  • Der Stab läuft bei Plusgraden. Das passt zu zu hoch eingestelltem Bivalenzpunkt, zu steiler Heizkurve oder zu kleiner Wärmepumpe.
  • Die Jahresarbeitszahl liegt deutlich unter dem, was dein Gerät sonst schafft.
  • Strom fließt, ohne dass der Verdichter läuft, oder die Wärmeleistung folgt dem Strom fast eins zu eins. Das ist ein Hinweis auf einen Leistungszahl-Wert nahe 1, kein Beweis. Auch der Notbetrieb nach einer Störung führt dazu.

Im Fraunhofer-Feldtest kam signifikanter Heizstabbetrieb praktisch nur aus drei Gründen: falsche Parametrierung, Defekte und Legionellenvermeidung. Eine Anlage fiel mit 23,2 % Heizstabarbeit heraus, weil sie vom Regelbetrieb abwich.

Was du am Regler prüfen lässt

Bring diese Fragen zum nächsten Servicetermin mit:

  1. Bei welcher Außentemperatur wird der Heizstab für den Heizbetrieb freigegeben, und passt das zur berechneten Heizlast?
  2. Ist der Stab nur für die Fälle freigegeben, die du nötig findest? Ihn ganz abzuschalten, ist bei Luft-Wasser-Geräten laut 42watt keine gute Idee, weil dann bei Frost die Wärme fehlen kann.
  3. Wann läuft die Legionellenschaltung (Wochentag, Uhrzeit, Zieltemperatur)? Mit Photovoltaik passt mittags am besten.
  4. Welche Warmwasser-Solltemperatur ist eingestellt, und warum?
  5. Wie steil ist die Heizkurve? Eine zu hohe Kurve treibt die Anlage schneller in den Stabbetrieb.
  6. War ein Estrichprogramm aktiv, und ist es beendet?

Notiere dir vorher ein paar Datenpunkte: Datum, Außentemperatur, Stromverbrauch und Warmwasser-Temperatur an einem auffälligen Tag. Damit kann der Fachbetrieb gezielt suchen.

Ein Blick auf deine Daten

HeatMate liest die Laufzeitzähler des Heizstabs aus ViCare und schätzt daraus seinen Anteil am Strom: Heizstab-Stunden mal angenommen 3 kW je Stufe, verglichen mit den Verdichterstunden mal der elektrischen Leistung des Verdichters. Misst deine Anlage diese Leistung nicht, schätzt HeatMate sie aus der Nennleistung und der mittleren Arbeitszahl im Feldtest. Zur Einordnung dient der Fraunhofer-Feldtest WP-QS: Bei Luft-Wärmepumpen im Bestand lag der Heizstab im Mittel bei 1,3 % der elektrischen Arbeit, bei Sole-Wärmepumpen nahe 0 % (Quelle: Fraunhofer ISE, 2025). Bis 2 % zeigt HeatMate bei Luft-Wärmepumpen nichts an, bis 5 % Potenzial, darüber eine Auffälligkeit; bei Sole-Wärmepumpen gelten 0,5 und 2 %. Das ist ein Richtwert von HeatMate, hergeleitet aus WP-QS, keine Norm. Die Auswertung liefert einen Hinweis zum Nachfragen, keine Diagnose. Ob ein Gerät defekt ist, entscheidet der Fachbetrieb.

Prüfe es an deiner Anlage

HeatMate zeigt dir die Werte aus diesem Artikel für deine Wärmepumpe.

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